Wintergärten
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Ratgeber

Wintergarten zu heiß im Sommer: Wie Folien und Beschichtungen das Glasdach kühlen

Warum es im Wintergarten schlimmer ist als im Zimmer nebenan

Ein Wintergarten ist nicht einfach ein Raum mit vielen Fenstern. Er besteht fast vollständig aus Glas – und genau das verändert die Physik.

Entscheidend ist der Einfallswinkel. Auf eine senkrechte Fassade trifft die hochstehende Sommersonne schräg, sodass ein großer Teil der Strahlung an der Scheibe reflektiert wird. Auf ein Glasdach fällt dieselbe Sonne dagegen fast senkrecht und gelangt nahezu ungehindert hindurch. Deshalb heizt sich ein Wintergarten im Juli innerhalb weniger Stunden auf Temperaturen auf, die im übrigen Haus nie erreicht werden.

Hinzu kommt eine zweite Ursache: Warme Luft steigt nach oben und sammelt sich unter dem Glasdach. Gibt es dort keine Öffnung, kann sie nicht entweichen – die Hitze staut sich und füllt den Raum nach und nach von oben nach unten.

Wer die Hitze im Wintergarten in den Griff bekommen will, muss deshalb oben ansetzen. Maßnahmen, die sich nur auf die senkrechten Flächen beschränken, greifen zu kurz.

Warum innenliegende Beschattung das Problem nicht löst

Viele Wintergärten verfügen über eine Innenbeschattung unter dem Dach – und viele Besitzer sind damit unzufrieden. Dafür gibt es einen einfachen physikalischen Grund.

Ein Behang unter dem Glasdach fängt die Strahlung erst ab, nachdem sie das Glas passiert hat. Die Energie ist zu diesem Zeitpunkt also bereits im Raum. Der Behang erwärmt sich, gibt die Wärme nach unten ab und wirkt am Ende wie ein zusätzlicher Heizkörper unter der Decke.

Nutzlos ist eine Innenbeschattung deshalb nicht. Gegen Blendung und für die Optik leistet sie gute Dienste. Gegen die Aufheizung bewirkt sie jedoch wenig, weil sie an der falschen Stelle sitzt.

Wirksamer Hitzeschutz beginnt draußen – direkt auf dem Glas oder auf der Kunststofffläche.

Der erste Blick gilt dem Dachmaterial

Bevor es um konkrete Produkte geht, ist mit einer einzigen Frage schon die halbe Entscheidung gefallen: Woraus besteht Ihr Wintergartendach?

Echtglas. Für ein Glasdach kommt eine Sonnenschutzfolie infrage. Sie wird als dünne Bahn auf die Fläche aufgebracht, verändert die Konstruktion nicht und lässt sich später wieder entfernen.

Kunststoff, also Stegplatten oder Wellplatten aus Polycarbonat oder Acryl. Hier eignet sich eine Folienbahn kaum oder gar nicht. Die Oberflächen sind strukturiert, gewölbt oder rau, sodass sich eine Folie nicht spannungs- und blasenfrei verlegen ließe. Die Lösung ist eine Beschichtung: Sie wird aufgerollt oder aufgesprüht und passt sich der Oberfläche an.

Genau deshalb gibt es keine pauschale Empfehlung für Wintergärten. Zwei Anbauten, die sich optisch ähneln, können zwei völlig unterschiedliche Produkte erfordern.

Die Folie auf dem Glasdach

Für verglaste Dächer setzen wir Sonnenschutzfolien ein, die von außen auf die Scheibe aufgebracht werden. Eine Sonnenschutzfolie im Wintergarten sitzt damit genau dort, wo die Energie auftrifft – und nicht dort, wo sie bereits angekommen ist.

Am Dach ist der Vorteil der Außenmontage besonders groß. Die Strahlung wird abgefangen, bevor sie das Glas belastet. Das ist bei Dachverglasungen wichtig, denn sie nehmen im Tagesverlauf deutlich mehr Energie auf als senkrechte Scheiben. Eine innen montierte, reflektierende Folie würde diese Energie zurück ins Glas lenken – je nach Glasaufbau besteht dann das Risiko eines thermischen Glasbruchs.

Deshalb steht bei uns der Glascheck immer am Anfang. Ein spezielles Messgerät ermittelt im Handumdrehen den Glasaufbau. Daraus ergibt sich, welche Folie freigegeben ist und auf welcher Seite sie montiert werden darf. Bei Dachflächen führen wir diese Prüfung besonders sorgfältig durch.

Bei der Folienwahl gibt es zwei Richtungen. Eine verspiegelte Folie bietet den höchsten Hitzeschutz, dunkelt den Raum aber deutlich ab und verändert die Optik von außen sichtbar. Eine spektral selektive Folie lässt dagegen sehr viel Tageslicht durch und spiegelt kaum, erreicht aber einen geringeren Hitzeschutz. Im Wintergarten ist das eine echte Abwägung – schließlich haben die meisten Menschen ihn wegen des Lichts gebaut.

Die Beschichtung auf Kunststoff und schwierigen Flächen

Wo eine Folie nicht infrage kommt, setzen wir eine wasserbasierte Beschichtung ein. Sie reflektiert und absorbiert einen Teil der Sonnenenergie – einschließlich der wärmewirksamen Infrarotstrahlung.

Aufgetragen wird sie mit Rolle, Pinsel oder Sprühgerät. Zuerst wird die Fläche gründlich gereinigt, anschließend wird das Material gleichmäßig aufgebracht. Nach dem Aushärten haftet es dauerhaft.

Das Verfahren eignet sich für Lichtkuppeln, Lichtbänder, Dachkuppeln, Pergolen und Wintergärten ebenso wie für raue oder schwer zugängliche Glasflächen. Eine spezielle Variante sorgt für helles Tageslicht ohne Blendung und verleiht dem Innenraum einen leichten Blauton.

Damit ist der wichtigste Punkt für Wintergartenbesitzer klar: Ein Kunststoffdach ist kein Ausschlusskriterium. Es braucht lediglich ein anderes Produkt.

Was Sie realistisch erwarten dürfen

Damit Erwartung und Ergebnis zusammenpassen, hier eine ehrliche Einordnung.

Eine Folie oder Beschichtung senkt den Wärmeeintrag durch die Fläche, verhindert ihn aber nicht vollständig. An einem Hochsommertag wird der Wintergarten nicht kühler sein als das Wohnzimmer – aber er wird wieder nutzbar, wo er es vorher nicht war.

Zwei Dinge bleiben trotzdem Ihre Aufgabe. Erstens die Lüftung: Ohne eine Öffnung im oberen Bereich – etwa Dachlüfter, Oberlicht oder Firstlüftung – staut sich die warme Luft weiterhin. Folie und Lüftung ergänzen sich, keines ersetzt das andere. Zweitens die Blendung: Wenn Sie im Wintergarten lesen, arbeiten oder fernsehen, bleibt ein verstellbarer Behang sinnvoll. Denn die Sonne wandert – eine Folie kann das nicht ausgleichen.

Ganz nebenbei erhalten Sie einen wirksamen UV-Schutz. Die Strahlung, die Polstermöbel, Holz, Teppiche und Vorhänge ausbleichen lässt, wird nahezu vollständig zurückgehalten. Wer schon einmal ein verblasstes Sofa im Wintergarten gesehen hat, weiß, wie viel das wert ist.

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Vorteil: Weder Folie noch Beschichtung benötigen Strom. Anders als ein Klimagerät verursachen sie nach der Montage keine laufenden Kosten.

Wann ist die beste Montagezeit?

Im Frühjahr oder Herbst – nicht im Hochsommer.

Arbeiten auf Dachflächen erfordern trockenes, windarmes Wetter und Oberflächentemperaturen, bei denen sich das Material verarbeiten lässt. Bei praller Sonne auf einem Glasdach ist das nicht gegeben. Außerdem gehen genau dann, wenn das Problem akut ist, die meisten Anfragen gleichzeitig ein.

Wer im April oder September plant, kann seinen Termin frei wählen – und die Maßnahme ist umgesetzt, bevor sie gebraucht wird.

Häufige Fragen

Wird der Wintergarten durch die Folie dunkel? Das hängt vom Folientyp ab. Eine verspiegelte Folie dunkelt deutlich ab, eine spektral selektive kaum. Wer den Wintergarten wegen des Lichts gebaut hat, sollte sich die Lichtdurchlässigkeit als Kennwert im Angebot ausweisen lassen und nicht nur den Hitzeschutz vergleichen.

Wirkt eine Sonnenschutzfolie im Wintergarten auch im Winter? Ja – und genau das sollte man vorher bedenken. Die Folie bleibt das ganze Jahr auf der Fläche und verringert auch in den kalten Monaten die Wärmegewinne durch die Sonne. Wer den Wintergarten im Winter als Wärmepuffer nutzt, sollte das bei der Entscheidung berücksichtigen.

Kann ich die Folie selbst anbringen? Bei einer senkrechten Seitenverglasung im Erdgeschoss ist das machbar, auf dem Dach dagegen nicht. Dort kommen Arbeiten in der Höhe, die nötige Zugangstechnik und ein passendes Wetterfenster zusammen. Zudem fällt ein Fehler auf der Dachfläche am stärksten ins Auge.

Was ist mit den Pflanzen? Der Lichtanteil, den Pflanzen zum Wachsen brauchen, bleibt bei einer spektral selektiven Folie weitgehend erhalten. Bei stark abdunkelnden Folien sollte die Bepflanzung mit eingeplant werden – vor allem bei lichthungrigen Arten.

Fazit

Ein Wintergarten heizt sich auf, weil die Sonne fast senkrecht auf das Dach trifft und sich die warme Luft oben staut. Wirksam ist deshalb nur, was außen auf der Dachfläche ansetzt: bei Glas eine Sonnenschutzfolie, bei Kunststoff eine Beschichtung. Welche Variante möglich ist, zeigt der Glascheck.

Sie möchten wissen, was bei Ihrem Wintergarten möglich ist? Schicken Sie uns Fotos von innen und außen und teilen Sie uns mit, woraus das Dach besteht. Wir kommen vorbei, prüfen die Fläche und nennen Ihnen vorab einen verbindlichen Festpreis.

→ Mehr dazu: Wintergärten und Hitze- und UV-Schutzbeschichtungen